Vom Klick zum Können – Making als Haltung und Methode
Vom Klick zum Können – Making als Haltung und Methode
Wie ein Challenge-basierter Digitalkurs an der Schule Walenstadt entwickelt und durchgeführt wurde – und weshalb spielerische Zusatzformate den entscheidenden Unterschied machten. Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus der 3. Oberstufe.
Ctrl + Shift + Wow: Digitale Eigenverantwortung entdecken
An der Schule Walenstadt habe ich als Ressortleiter Medien und Informatik sowie als entwickelnde Lehrperson den Kurs Ctrl + Shift + Wow konzipiert und in der 3. Oberstufe umgesetzt. Ziel war es, den Lernenden einen selbstgesteuerten Zugang zur Microsoft-365-Welt zu ermöglichen – nicht über Schritt-für-Schritt-Anleitungen, sondern über das eigenständige Erkunden und Anwenden.
Der Kurs umfasste 14 Lektionen in 7 Blöcken und folgte einem klaren Ritual: kurzer Input, anschliessend selbständiges Arbeiten an Challenges und zum Abschluss ein gemeinsames Show & Tell. Die Lernenden konnten zwischen Basic-, Pro- und Wow-Challenges wählen und ihr Lerntempo weitgehend selbst bestimmen. Meine Rolle verlagerte sich bewusst weg vom Erklären hin zum Begleiten und Moderieren.
Fehler werden zur Lernchance: das Boss-Level
Ein zentrales Element des Kurses waren die sogenannten Boss-Challenges. Dabei simulierten die Lernenden typische digitale Probleme: gelöschte Dateien, verlorene Freigaben oder überschriebene Inhalte. Die Aufgabe bestand darin, diese Probleme selbständig zu lösen und den Lösungsweg zu dokumentieren.
In diesen Phasen wurde deutlich, wie wirksam makerorientiertes Lernen sein kann: Die Lernenden mussten verstehen, ausprobieren, scheitern und erneut ansetzen. Der Fokus lag nicht auf einem perfekten Resultat, sondern auf dem Prozess und der Reflexion. Genau hier zeigte sich für mich das Potenzial von Making im digitalen Unterricht.
Making heisst loslassen – und begleiten
Die Grundidee hinter Ctrl + Shift + Wow ist aus meiner eigenen Haltung entstanden. Für mich bedeutet Making nicht primär Technik oder Tools, sondern eine bewusste Entscheidung für Vertrauen und Verantwortung.
Making ist für mich loslassen und machen.
Als Lehrperson gestalte ich den Rahmen, setze klare Strukturen und begleite Lernprozesse – ohne jeden Schritt vorzugeben. Die Lernenden erhalten Raum, eigene Wege zu gehen, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Diese Haltung fordert auch mich heraus, ist aber zentral für selbstwirksames Lernen.
Wenn Challenges allein nicht tragen
In der Durchführung zeigte sich jedoch auch eine Grenze des ursprünglichen Konzepts: Ein Teil der Lernenden arbeitete zwar korrekt, war aber nur mässig motiviert. Nicht aus Widerstand, sondern aus einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber klassischen Aufgabenformaten.
Diese Beobachtung führte bei mir zu einer wichtigen Erkenntnis: Selbstgesteuerte Challenges sind sinnvoll, reichen aber nicht immer aus, um Neugier und Engagement wirklich zu wecken.
Spielerische Zusatzchallenges als Türöffner
Als Reaktion darauf habe ich drei zusätzliche Challenges entwickelt, die stärker auf spielerische Elemente setzten:
- einen blinkenden Weihnachtsbaum in Excel
- einen Escape Room in PowerPoint
- sowie eine Forms-Umfrage mit Verzweigungen und Entscheidungslogik
Besonders der Escape Room entwickelte eine hohe Sogwirkung. Die Aufgabe wurde mehrfach gelöst, weiterentwickelt und kreativ umgebaut. Die Lernenden waren deutlich aktiver, diskutierten Lösungswege und experimentierten intensiv – mit denselben digitalen Werkzeugen, aber mit einer völlig anderen Haltung.
Was ich daraus mitnehme
Diese Erfahrung hat meine Sicht auf makerorientierten Unterricht geschärft. Struktur, Wahlmöglichkeiten und Selbststeuerung sind wichtig – aber Motivation entsteht oft erst dann, wenn Aufgaben Neugier auslösen und als Herausforderung erlebt werden.
Die Lernenden waren nicht grundsätzlich unmotiviert. Sie brauchten einen anderen Zugang. Makerorientiertes Lernen heisst für mich deshalb heute noch stärker: Lernprozesse so zu gestalten, dass sie Bedeutung erzeugen – und Lust machen, dranzubleiben.
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Matthias Imhof
Lokale Koordinationsperson
Ressortleiter Medien und Informatik, Fachlehrperson Medien und Informatik









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