Fehlendes Bewusstsein für Digitales in Alters- und Pflegeeinrichtungen

Nicht nur ich werde älter - auch meine Umgebung. Damit habe ich seit einigen Jahren öfters Kontakt mit Alters- und Pflegeeinrichtungen und staune bei diesen Gelegenheiten über das fehlende Digitalbewusstsein. …

 

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Nicht nur ich werde älter - auch meine Umgebung. Damit habe ich seit einigen Jahren öfters Kontakt mit Alters- und Pflegeeinrichtungen und staune bei diesen Gelegenheiten über das fehlende Digitalbewusstsein. Wohlverstanden: Ich staune nicht darüber, dass digitale Dinge nicht da sind, sondern darüber, dass Alters- und Pflegeeinrichtungen den Bedarf nicht sehen oder die Potenziale gar nicht kennen.

Beispiel gefällig? Ich frage in einem "Gesundheitszentrum für das Alter" in der Stadt Zürich nach Internet in den Appartements. "Nein, das haben wir nicht, das müssen Bewohnende selbst installieren. Aber wir haben einen Internet-Corner in der Cafeteria. Dort hat es auch WLAN. Da können Bewohnende hingehen, wenn sie Internet benötigen. Reicht das eventuell?" Nein, tut es nicht. Denn es ginge unter anderem darum einen Sprachassistenten im Appartement zu installieren, mit dem sich das Licht steuern, Hörbücher vorlesen und das Wetter oder die Uhrzeit abfragen liesse. "Oh, das sind ja interessante Möglichkeiten!"

Das ist kein Einzelfall. In einem Pflegeheim habe ich den technischen Dienst darauf aufmerksam gemacht, dass das WLAN nur in der einen Hälfte des Zimmers verfügbar sei. Antwort des technischen Leiters: "Oh, seien Sie froh, sind Sie in Zimmer 57 - die Zimmer 51 bis 56 haben gar keinen WLAN-Empfang!"

Anderes Beispiel: Ich gehe naiverweise davon aus, dass in Spitälern und Pflegeeinrichtungen Menschen öfters ihre Hände und Finger nicht benutzen können. Vieles ist aber darauf ausgerichtet, dass sie das können: Klingel für die Pflege, Lichtschalter, Fernbedienung des Fernsehers, etc. Ich habe Verständnis dafür, dass nicht überall solche Geräte verfügbar sind. Aber ich staune, wie oft niemand vor Ort überhaupt Alternativen kennt und dann bass erstaunt ist, was heute bereits problemlos möglich ist. Der Klassiker: Der Switchbot:

switchbot.gif

Ein kleines, batterie- oder neuerdings auch akkubetriebenes Kästchen, das auf Kommando (Smartphone oder Sprachassistent wie Alexa) beliebige Knöpfe drücken kann: Lichtschalter, Pflegenotruftaster, Rollladensteuerungen etc. Kostet ca. CHF 20.- und lässt sich mit Klebeband oder Kabelbinder praktisch überall fixieren. Technisch kommuniziert der Switchbot per Bluetooth mit einem Switchbot Hub (ca. CHF 50.-), der dann via WLAN die Verbindung zum Internet herstellt und Schnittstellen für alle möglichen Haussteuerungen und Sprachassistenten zur Verfügung stellt: "Hey Alexa, bitte klingeln" und schon wird die Pflege gerufen.

Zu meinem Erstaunen sind die meisten Mitarbeitenden total verblüfft, dass es sowas gibt. Ich hätte erwartet, dass man im Jahr 2026 mindestens weiss, dass solche Möglichkeiten existieren. (Der Hub übrigens hat einen eingebauten Infrarotsender - damit lassen sich alle möglichen Geräte wie Fernseher oder so steuern, was dann wieder Befehle ermöglicht wie "Alexa, schalte den Fernseher lauter".)

Damit diese Gadgets funktionieren, braucht es eben zuverlässiges WLAN & Internet, darum meine Anfrage zu Beginn dieses Beitrags (und im Falle des Switchbot Hubs 2 muss dummerweise der Port 8883 offen sein für MQTT über TLS - was wie ich aus leidvoller Erfahrung weiss, oft nicht der Fall ist).

Solche Möglichkeiten würden ja nicht nur die Lebensqualität der Bewohnenden erhöhen, sondern auch die Pflege entlasten, weil die Bewohnenden dann vieles wieder selbständig erledigen könnte ohne die Pflege rufen zu müssen.

P.S.: Nein, ich will mich nicht in diesem Themengebiet selbständig machen. Und ja, es gibt bereits entsprechende Beratungsangebote. U.a. betreibt die Stadt Zürich ein Beratungsangebot namens Digitale Alterswohnung: "Zweck der Modellwohnung ist es, aufzuzeigen, wie man mit neuen Technologien im Alter sicherer wohnen kann. Wer genau hinschaut, sieht an verschiedenen Stellen in der Wohnung eine Auswahl an Geräten, die der Sicherheit in den eigenen vier Wänden dienen. Die ausgestellten Geräte lassen sich – teilweise mit ein wenig handwerklichem Geschick – in jeder Wohnung installieren. Vor Ort führen unsere Digital Guides durch die Wohnung und erläutern die verschiedenen Geräte."

P.S.II: Wer die Redewendung "bass erstaunt" nicht kennt, hier eine Erklärung

 

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