Barcamp: Diese Form der Weiterbildung hat Zukunft am GBS St.Gallen

350 Lehrpersonen arbeiten am GBS St.Gallen, 70 Prozent davon Teilzeit. Mit der Barcamp-Woche wurde eine neue Möglichkeit geschaffen, damit sich alle gegenseitig austauschen, informieren und weiterbilden können. Für Prorektor Urs …

 

350 Lehrpersonen arbeiten am GBS St.Gallen, 70 Prozent davon Teilzeit. Mit der Barcamp-Woche wurde eine neue Möglichkeit geschaffen, damit sich alle gegenseitig austauschen, informieren und weiterbilden können. Für Prorektor Urs Hehli steht ausser Frage: «Diese Form der Weiterbildung hat Zukunft am GBS St.Gallen.»

«Blended Learning» lautet das Schulentwicklungsthema am GBS St.Gallen für die Jahre 2024 bis 2027. Seit der Ankündigung am Gesamtkonvent im vergangenen Juni hat sich das Schulentwicklungsteam regelmässig getroffen. Wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen werden auf Gesamtschulebene geteilt, unter anderem in den neu geschaffenen Barcamps. 

Diese fanden eine Woche lang an verschiedenen Standorten des GBS St.Gallen statt, entweder über Mittag oder am Abend. «Um den Einstieg in diese neue Weiterbildungsmethode zu erleichtern, haben wir Themen definiert und Kolleginnen und Kollegen für einen Erfahrungsbeitrag angefragt», erklärt Urs Hehli, verantwortlich im Rektorat für das Querschnittsthema Schulentwicklung. 

Abwechslungsreiche Erfahrungsbeiträge 

Wie wird Künstliche Intelligenz gewinnbringend im Unterricht integriert? In seinem Erfahrungsbeitrag thematisierte Jenu Nagaratnam den Datenschutz und ethische Fragen. Roland Furrer gab in seinem Barcamp-Slot Impulse, wie sich Denken im Schulzimmer gezielt fördern lässt (Stichwort: Building Thinking Classrooms), während Martin Erlacher praxisnahe Wege für die Umsetzung von «Blended Learning» vorstellte. 

Dass dieser Ansatz auch mit leistungsschwächeren Klassen funktioniert, demonstriert Andy Looser, indem er KI-gestützte YouTube-Lernvideos gezielt zusammenfasst. Susanne Hofstetter und Lucia Wettstein gaben Einblicke ins Lerncoaching, während Manuel Schädler die wissenschaftliche Perspektive auf die Wirksamkeit von Blended Learning lieferte. Ein abwechslungsreiches Programm. 

Wichtig für die Schulkultur 

Urs Hehli ist nach der erstmaligen Durchführung von Barcamps am GBS St.Gallen dementsprechend begeistert: «Wir haben in diesen verschiedenen Gruppen enorm viel besprechen und auslösen können. Mich freut, dass die Rückmeldungen der teilnehmenden Lehrpersonen durchs Band äusserst positiv sind.» Die Barcamp-Veranstaltungen seien gerade für die Schulkultur und -entwicklung besonders wichtig. «Das war kollaboratives Lernen in Reinform», erklärt der Prorektor der Brückenangebote und der Dienstleistungsberufe. 

Die Teilnehmenden profitierten stark von den Inputs ihrer Berufskolleginnen und -kollegen. Dabei waren die rund 45-minütigen Sequenzen weder zu lange noch zu kopflastig. «Es wurden viele Inputs ausgetauscht, die nun in den Unterricht einfliessen», sagt Urs Hehli. 

Bei der Auftaktveranstaltung in der Aula diskutierten die Lehrpersonen mit Jenu Nagaratnam zum Beispiel, wie Künstliche Intelligenz die Vermittlung von Kompetenzen fördern statt ersetzen kann. Die Ergebnisse aus einer unter den Teilnehmenden durchgeführten Umfrage werden nun weiterverarbeitet, um einheitliche Empfehlungen auszuarbeiten. «Es ist ein iterativer Prozess, wir werden unsere Strategie laufend anpassen», sagte Jenu Nagaratnam.

Wie Lerncoachs unterstützen 

Bei vielen Barcamps stand die Frage im Raum, ob Lernende mit Konzepten wie selbstorganisiertem Lernen oder «Blended Learning» umgehen können. Werden sie von den sogenannten 21st Century Skills überfordert, die Kompetenzen wie kritisches Denken oder den Umgang mit digitalen Technologien umfassen? «Bei uns in den Integrationskursen sind sie überfordert mit der Menge an Softskills, die von ihnen verlangt werden. Aber sie können den Umgang lernen, wenn sie mit einem Lerncoaching unterstützt werden», erklärt Karl Oss, Mitglied im GBS-Schulentwicklungsteam und Fachbereichsleiter bei den Brückenangeboten.

Während des Barcamps im Schulhaus an der Turmgasse informierte Lucia Wettstein, auf welche Herausforderungen sie im Einzelcoaching stösst und wie sie die Schüler/-innen dabei unterstützt, den persönlichen Lernerfolg zu steigern. «Bei manchen muss ich den Fokus zuerst auf die Alltagssituation richten, bevor ich sie im Lernprozess begleiten kann», berichtet Lucia Wettstein. Im Anschluss zeigte Susanne Hofstetter auf, wie sie einer gesamten Klasse im Berufsvorbereitungsjahr ermöglicht, ihren Lernprozess in einem Schultagebuch zu planen und zu reflektieren. 

«The most effective way to do it, is to do it.»

Passend stand gleich zu Beginn des Buches das bekannte Zitat der amerikanischen Flugpionierin Amelia Earhart, der ersten Frau, die allein den Atlantik überquerte: «The most effective way to do it, is to do it. » Frei auf das GBS St. Gallen übertragen, wird hier gemeinsam über die bestmögliche Art des Handelns diskutiert. Die neue Weiterbildungsmethode Barcamp ist am GBS St.Gallen erfolgreich gestartet. 

Gut möglich, dass es deshalb schon bei der nächsten Durchführung keine im Voraus festgelegten Erfahrungsbeiträge mehr gibt. Die Teilnehmenden würden das Programm selbst gestalten und ihre eigenen Themenvorschläge einbringen. Die Agenda wird dann gemeinsam zu Beginn der Veranstaltung erstellt. Diese offene und flexible Struktur fördert den Austausch von Ideen und ermöglicht es allen, aktiv an Diskussionen und Workshops teilzunehmen. 

 

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