Es ist Sommerpause. Zeit um Gedanken und Begriffe zu ordnen. Seit längerem sehe ich Parallelen zwischen zwei möglichen Gefahren von generativen Machine-Learning-Systemen (Biblionetz:w02833). Da ich bisher keine Quelle gefunden habe, welche die beiden Gefahren nebeneinanderstellt und Ähnlichkeiten aufzeigt, habe ich mir kürzlich die Zeit genommen und zuerst alleine und dann mit anderen darüber nachgedacht sowie Begriffe erfunden:
- Auf der individuellen Ebene kann es zu einer Kompetenzaufbau-Lücke (Biblionetz:w03804) führen, wenn junge Menschen GMLS als Abkürzung (Biblionetz:w03717) einsetzen. Dieses Phänomen wird mit verschiedenen Begriffen bezeichnet (z.B. skill skipping, accumulation of cognitive debt, metacognitive laziness ).
- Auf der organisationalen Ebene kann es zu einer Erfahrungsaufbau-Lücke (Biblionetz:w03805) für Unternehmen führen, wenn diese keine jungen Mitarbeitenden mehr einstellen, sondern auf GMLS setzen, da dadurch kein Erfahrungswissen in der Organisation mehr aufgebaut wird.
In meinem aktuellen Begriffsverständnis kann sich eine Kompetenzaufbau-Lücke ergeben, wenn GMLS wiederholt als Abkürzung verwendet werden. Die beiden Begriffe sind für mich somit keine Synonyme. GMLS als Abkürzung ist für mich zudem ein Spezialfall von cognitive offloading, das auch unabhängig von GMLS mit Notizheft, Taschenrechner, Kalender etc. stattfindet.
Ich bin u.a. gefragt worden, warum ich nicht beide Ausprägungen als Kompetenzaufbau-Lücken bezeichnen würde. In der Ausbildung geht es darum, alle Facetten einer Kompetenz aufzubauen. Bei jungen Mitarbeitenden eines Unternehmens geht man davon aus, dass sie sich vor allem in der Erfahrung von älteren Arbeitnehmenden unterscheiden. Aus diesem Grund habe ich bei der Organisation die Erfahrung ins Zentrum gestellt. Es geht auch darum, dass die Unternehmens-DNA verloren geht: Niemand weiss mehr, wie das Unternehmen tickt. Diese Sozialisierung / Branchenerfahrung war mir bei der Begriffsprägung wichtig.