Pädagogisch-technische ICT-Supporter:innen als Akteure digitaler Schulentwicklung: Eine fallbezogene Analyse der Gelingensfaktoren im Kanton St. Gallen

Die vorgestellten Ergebnisse der Masterarbeit von Andreas Jud betonen die zentrale Rolle der Pädagogischen ICT-Supporter:innen (PICTS) als verbindendes Element zwischen Pädagogik, Technik und Schulentwicklung. Erfolgsfaktoren sind u.a. klare Rollenbeschreibungen, ausreichende …

Die vorgestellten Ergebnisse der Masterarbeit von Andreas Jud betonen die zentrale Rolle der Pädagogischen ICT-Supporter:innen (PICTS) als verbindendes Element zwischen Pädagogik, Technik und Schulentwicklung. Erfolgsfaktoren sind u.a. klare Rollenbeschreibungen, ausreichende Ressourcen, die Abgrenzung zum technischen Support, strategische Einbindung sowie kontinuierliche Weiterbildung und Vernetzung. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen wie uneinheitliche Anstellungsmodelle, unklare Schnittstellen, knappe personelle Ressourcen und fehlende strategische Verankerung. Als Reaktion darauf hat der KLV St. Gallen ein Merkblatt mit standardisiertem Pflichtenheft und Empfehlungen zu Aufgaben, Kompetenzen und Ausbildung der PICTS veröffentlicht. Besonders relevant ist die neue Ressourcenformel (1.3 % pro VZE und 3 % pro Schuleinheit), die eine realistische personelle Ausstattung für die digitale Transformation sicherstellen soll.

  1. Die digitale Transformation an Volksschulen im Kanton St. Gallen gelingt nur dann zuverlässig, wenn die Rolle der pädagogischen ICT-Supporter:innen (PICTS) strukturell klar verankert ist – sowohl in Form von definiertem Mandat als auch in Form von ausreichender Stellenprozent-Ausstat­tung.
  2. Eine eindeutige funktionale Abgrenzung zwischen dem pädagogischen Support (PICTS) und dem rein technischen ICT-Support (TICTS) stellt eine wichtige Gelingensbedingung dar – Unklarheiten in dieser Abgrenzung wirken sich negativ auf Wirkung und Nachhaltigkeit aus.
  3. Die strategische Einbindung der PICTS-Rolle in die schulischen Entwicklungs- und Steuerungsprozesse ist ein weiterer zentraler Faktor: Wenn PICTS nur isoliert operieren, bleibt ihr Einfluss begrenzt.
  4. Kontinuierliche Fort- und Weiterbildung sowie Vernetzung der PICTS (z. B. durch regionale Netzwerke und kollegialen Austausch) sind entscheidend, damit die Funktion wirksam wird und sich die digitale Schulentwicklungs­kultur weiterentwickeln kann.
  5. Sichtbarkeit und Anerkennung der PICTS-Arbeit im schulischen Alltag tragen wesentlich dazu bei, dass diese Rolle als Gestaltungs­kraft wahrgenommen wird – fehlende Wertschätzung verringert die Wirksamkeit.
  6. Hohe Heterogenität bei Anstellungsmodellen, Ressourcen- und Zeitbudgeten sowie Aufgabenprofilen der PICTS im Kanton zeigt sich als wesentliches Hemmnis für die nachhaltige Implementierung digitaler Schulentwicklung.
  7. Ein noch häufig dominierender Fokus auf technische Infrastruktur und Geräte reicht nicht aus: Vielmehr braucht es die Verbindung zu didaktischer, organisatorischer und kultureller Entwicklung – andernfalls verpasst die Transformation ihre nachhaltige Wirkung.
  8. Die empirischen Daten (qualitativ und quantitativ) zeigen, dass wo die fünf genannten Gelingensbedingungen erfüllt sind, die PICTS-Rolle substantielle Beiträge zur digitalen Transformation leisten kann; dagegen sind in Kontexten mit Defiziten in diesen Bereichen vielfach fragmentierte oder weniger wirksame Entwicklungen zu beobachten.
  9. Aus der kritischen Reflexion ergibt sich, dass Massnahmen zur Weiterentwicklung des Steuerungsrahmens (LUP‑DT) sowie zur Professionalisierung der PICTS-Rolle notwendig sind – etwa durch Standardisierung von Stellenprofilen, verbindliche Ressourcen­zuweisungen und systematische Fortbildungs­angebote.
  10. Abschliessend wird deutlich, dass die digitale Transformation von Schulen nicht als einmaliges Projekt zu begreifen ist, sondern als langfristiger Veränderungs- und Entwicklungsprozess – die PICTS-Rolle kann hierbei als wichtiger Hebel fungieren, sofern sie angemessen ausgestaltet und eingebettet wird.

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