
Als Vater ertappe ich mich manchmal dabei, Dinge beibringen zu wollen, die mir selbst geholfen haben: Fleiss, Fachwissen, Durchhaltevermögen.
Aber dann beobachte ich, wie Kinder mit KI-Chatbots sprechen, wie selbstverständlich sie algorithmisch kuratierte Inhalte konsumieren — und ich frage mich: Bereiten wir unsere Kinder auf unsere Welt vor? Oder auf ihre?
Zwei Forschungsarbeiten geben mir dabei zu denken:
- Die OECD hat mit dem Learning Compass 2030 drei sogenannte transformative Kompetenzen definiert: Neues schaffen, Spannungen und Dilemmata aushalten, Verantwortung übernehmen. Im Zentrum steht dabei Student Agency — also die Fähigkeit, nicht einfach zu reagieren, sondern aktiv zu gestalten (OECD, 2019).
- Ein aktuelles integratives Review zur KI-Literalität bei Kindern und Jugendlichen (Gu & Ericson, 2025) zeigt: Bestehende Ansätze vermitteln oft technisches Verständnis — aber selten die Fähigkeit, KI-Ergebnisse kritisch einzuordnen, Verzerrungen zu erkennen oder das eigene Urteil bewusst einzusetzen.
Das deckt sich mit dem, was mich auch in meiner Forschung umtreibt:
Wir brauchen keine Generation, die KI besser bedienen kann. Wir brauchen eine Generation, die weiss, wann sie ihrem eigenen Denken mehr vertrauen sollte als einer Maschine.
Ich nenne das: epistemische Resilienz — die Fähigkeit, das eigene Urteil auch dann zu behaupten, wenn ein System schneller, überzeugender und eloquenter antwortet als man selbst.
Kein Lehrplan wird das allein lösen. Aber jede Familie, jede Schule, jede Lernsituation kann dazu beitragen.
Welche Kompetenz ist euch für eure Kinder am wichtigsten?
Dr. Georg Winder
Co-Founder & CEO aprendo.ch | Teacher & Board Member | Building the future of learning
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