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Wie begleite ich offene Making-Prozesse?

Wie plane ich makerorientierten Unterricht?

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Making planen | Von der Idee zum Unterrichtsvorhaben

Ihr möchtet mit euren Lernenden etwas entwickeln, bauen oder gestalten. Vielleicht steht bereits ein Thema fest, vielleicht beginnt ihr mit einer Frage aus dem Alltag der Klasse. Für die Unterrichtsplanung gilt es nun zu klären: Was sollen die Lernenden dabei lernen – und welche Entscheidungen können sie selbst treffen?

Plant dafür eine Herausforderung, die Raum für eigene Ideen lässt und zugleich verständliche Anforderungen enthält. Überlegt, welche Vorkenntnisse nötig sind, welche Materialien zur Verfügung stehen und an welchen Stellen kurze Einführungen helfen. Berücksichtigt neben der Herstellung auch das Testen, Überarbeiten und Besprechen der entstandenen Lösungen.

In diesem Beitrag entwickelt ihr die Grundstruktur eines makerorientierten Unterrichtsvorhabens. Ihr legt fest, was vorgegeben ist, was offenbleibt und wie die Lernenden ihre Erfahrungen und Erkenntnisse sichtbar machen können.

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Making Handreichung

Das nehmen ihr mit

Ihr verbindet fachliche und überfachliche Lernziele mit einem konkreten Making-Vorhaben.

Ihr formuliert eine verständliche Herausforderung mit Spielraum für unterschiedliche Lösungen.

Ihr plant Zeit, Materialien und notwendige Einführungen.

Ihr berücksichtigt Erprobung, Überarbeitung und Reflexion von Anfang an.

Eure Leitfrage:

Welche Herausforderung ermöglicht unseren Lernenden, eigene Lösungen zu entwickeln und dabei an den vorgesehenen Lernzielen zu arbeiten?

In fünf Schritten zu eurem Making-Unterrichtsvorhaben

1. Die Lernziele klären

Bestimmt, was die Lernenden durch das Vorhaben verstehen, anwenden oder weiterentwickeln sollen. Verbindet ausgewählte fachliche Ziele mit passenden überfachlichen Kompetenzen – beispielsweise Lösungswege vergleichen, zusammenarbeiten oder mit Schwierigkeiten umgehen.

Formuliert die Ziele so konkret, dass ihr später darüber sprechen könnt. Statt «Die Lernenden sind kreativ» könnte ein Ziel lauten: «Die Lernenden entwickeln unterschiedliche Lösungsideen und begründen ihre Auswahl.»

Haltet fest:

Was sollen die Lernenden lernen – und woran wird das erkennbar?

2. Eine offene Herausforderung formulieren

Wählt eine Frage oder ein Problem, das für die Lernenden verständlich und bedeutsam ist. Beschreibt, wofür eine Lösung gebraucht wird und welche Anforderungen sie erfüllen soll. Lasst dabei unterschiedliche Lösungswege zu.

Eine mögliche Herausforderung lautet: «Entwickelt eine Transporthilfe, mit der ihr mehrere kleine Gegenstände auf einmal zwischen zwei Arbeitsplätzen bewegen könnt, ohne sie zu verlieren.» Vorgegeben sind der Zweck und ein überprüfbares Kriterium. Konstruktion, Materialwahl und Gestaltung können innerhalb des verfügbaren Rahmens offenbleiben.

Prüft, ob eure Aufgabe eigene Entscheidungen ermöglicht und zum vorgesehenen Lernziel passt.

Haltet fest:

Was ist vorgegeben – und was entscheiden die Lernenden selbst?

3. Voraussetzungen und Rahmenbedingungen planen

Überlegt, welche Erfahrungen die Lernenden mitbringen und wo sie Unterstützung benötigen. Plant kurze Einführungen für notwendige Techniken, Werkzeuge oder Arbeitsweisen. Haltet Hilfen bereit, auf die bei Bedarf zurückgegriffen werden kann.

Klärt Materialien, Arbeitsplätze, Gruppengrösse und verfügbare Zeit. Plant auch Materialausgabe, Aufräumen und die Aufbewahrung unfertiger Arbeiten ein. Bei Gruppenarbeiten sollen alle Gelegenheit erhalten, eigene Ideen einzubringen und praktisch tätig zu werden.

Haltet fest:

Was brauchen die Lernenden, um beginnen und zunehmend selbstständig weiterarbeiten zu können?

4. Entwickeln, testen und überarbeiten ermöglichen

Plant den Ablauf mit Zeit für Ideen, erste Modelle und Erprobungen. Ein früher Prototyp darf einfach sein: Er soll helfen, eine Idee zu untersuchen und offene Fragen zu erkennen.

Vereinbart, wie die Lernenden ihre Lösungen an den Anforderungen prüfen. Bei der Transporthilfe könnten sie beispielsweise beobachten, ob Gegenstände unterwegs herausfallen oder das Beladen umständlich ist. Aus diesen Beobachtungen leiten sie Veränderungen ab.

Reserviert ausdrücklich Zeit für mindestens eine Überarbeitung. Plant zugleich flexibel genug, damit Lernende bei Bedarf zu einer früheren Idee zurückkehren können.

Haltet fest:

Wann und wie wird getestet – und wann können die Lernenden ihre Lösung verbessern?

5. Lernprozesse sichtbar machen und besprechen

Legt bereits bei der Planung fest, welche Einblicke ihr in das Lernen erhalten möchtet. Eine Skizze, ein Foto eines Zwischenstands oder eine kurze Notiz zum Test kann dafür ausreichen. Wählt wenige Dokumentationsformen, die zu euren Lernzielen passen.

Plant einen Austausch, bei dem die Lernenden ihre Entscheidungen und Erkenntnisse erläutern: Was haben wir ausprobiert? Was hat sich beim Test gezeigt? Was haben wir deshalb verändert?

Falls ihr das Vorhaben beurteilt, macht die Kriterien vorab verständlich. Berücksichtigt dabei die angestrebten Kompetenzen und die individuellen Beiträge. Das fertige Produkt ist eine mögliche Informationsquelle; auch Begründungen, Beobachtungen und Überarbeitungen geben Einblick in das Lernen.

Haltet fest:

Welche Lernspuren brauchen wir – und wie nutzen wir sie für Rückmeldung und Reflexion?

Unser Making-Unterrichtsvorhaben auf einen Blick

Lerngruppe und Zeitrahmen:

Mit wem arbeiten wir und wie viel Zeit steht zur Verfügung?

Lernziele:

Welche fachlichen und überfachlichen Kompetenzen stehen im Mittelpunkt?

Herausforderung:

Welches Problem oder welche Frage bearbeiten die Lernenden? Für wen oder wofür entwickeln sie eine Lösung?

Anforderungen und Freiräume:

Was muss die Lösung erfüllen? Welche Entscheidungen treffen die Lernenden selbst?

Materialien und Unterstützung:

Was stellen wir bereit? Welche Einführungen und Hilfen sind nötig?

Erprobung und Überarbeitung:

Wie prüfen die Lernenden ihre Ideen? Wann haben sie Zeit für Veränderungen?

Lernspuren und Rückmeldung:

Was halten die Lernenden fest? Welche Kriterien besprechen wir mit ihnen?

Gemeinsamer Abschluss:

Wie teilen die Lernenden ihre Lösungen, Entscheidungen und Erkenntnisse?

Vom Lernziel zur Umsetzung – Einblicke in den Unterricht

Wie lässt sich ein Making-Vorhaben strukturieren, ohne jeden Arbeitsschritt vorzugeben? Diese Unterrichtsbeispiele zeigen unterschiedliche Möglichkeiten: einen angeleiteten Einstieg mit eigenen Gestaltungsideen, die kreative Bearbeitung literarischer Texte und die Entwicklung von Lösungen für Alltagssituationen. Achtet darauf, welche Orientierung die Lehrpersonen geben und welche Entscheidungen bei den Lernenden liegen.

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Bürstenroboter – eigene Gestaltung im vorgegebenen Rahmen

Kindergartenkinder entwerfen und gestalten ihren eigenen Bürstenroboter und lernen Bestandteile eines einfachen Stromkreises kennen. Das Beispiel verbindet einen vorgegebenen technischen Aufbau mit persönlichen Gestaltungsideen und einer ersten Erprobung.

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Regionale Sagen – vom Text zum eigenen Kurzfilm

Lernende der ersten Oberstufe untersuchen regionale Sagen und setzen sie in kurzen Filmen um. Einführungen in Kamera, Ton und Schnitt bereiten die eigenständige Produktion vor. Die Story zeigt, wie fachliche Inhalte, technische Übungen und kreative Entscheidungen ineinandergreifen.

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Smart Home – von Bedürfnissen zu Prototypen

Eine Unterrichtsreihe aus Walenstadt führt von unterschiedlichen Nutzerperspektiven über die Ideenentwicklung zu Prototypen und kurzen Präsentationen. Der Erfahrungsbericht zeigt auch, wie die Lehrperson ihre Planung mit MakerGPT anpasst und Feedback sowie die Dokumentation des Lernwegs einplant.

Wie offen soll unser Vorhaben sein?

Wählt ein Beispiel aus und untersucht seine Aufgabenstellung:

  • Welche fachlichen Inhalte stehen im Mittelpunkt?
  • Was ist vorgegeben – etwa Material, Technik, Thema oder Produktform?
  • Wo treffen die Lernenden eigene Entscheidungen?
  • Welche Einführungen helfen ihnen, selbstständig weiterzuarbeiten?

Übertragt anschliessend eine passende Idee auf euer Vorhaben. Formuliert ausdrücklich, welche Entscheidung ihr den Lernenden überlassen möchtet. Prüft auch, ob eure Planung genügend Zeit zum Testen und Überarbeiten enthält.

Euer Unterrichtsvorhaben planen – Vorlagen, Kompetenzen und Challenges

Diese Ressourcen helfen euch, aus einer ersten Idee eine konkrete Unterrichtsplanung zu entwickeln. Nutzt das Framework für die Struktur, das Kompetenzraster zur Schärfung eurer Lernziele und die Challenge-Materialien als Ausgangspunkt für passende Aufgaben. Stimmt die ausgewählten Anregungen auf eure Lerngruppe und eure Rahmenbedingungen ab.

Die Unterrichtsplanung strukturieren

Framework «Making macht Schule»

Das PHSG-Framework verbindet Ressourcen, Thematik, Didaktik, Methodik und Evaluation. Das Themenheft erläutert die fünf Dimensionen anhand der «Erfinder-Rally». Nutzt es, um eure Aufgabenstellung, den Ablauf und die vorgesehenen Lerngelegenheiten gemeinsam zu prüfen.

Lernziele

konkretisieren

Kompetenzraster «MakeComp4School»

Das Raster beschreibt 24 Making-Kompetenzen mit konkreten Indikatoren. Die Formulierungen richten sich an Lernende ab der 5. Klasse und ermöglichen auch Selbsteinschätzungen. Wählt für euer Vorhaben einzelne passende Kompetenzen aus und besprecht, woran sie im Arbeitsprozess erkennbar werden.

Challenges und Unterrichtsmaterialien auswählen

Making for Education

Die Plattform bietet Making-Challenges mit Challengekarten, Anleitungen, Videos, Vorlagen und Hinweisen für Lehrpersonen. Nutzt die Materialien als Ausgangspunkt und prüft, welche Anforderungen, Hilfen und Freiräume zu euren Lernzielen und zur Lerngruppe passen.

Aus einer Vorlage wird euer Vorhaben

Prüft eine ausgewählte Aufgabe anhand von drei Fragen:

Lernziel:

Welche fachliche Erkenntnis oder Arbeitsweise steht für unsere Lerngruppe im Mittelpunkt?

Freiraum:

Welche bedeutsame Entscheidung können die Lernenden selbst treffen?

Überarbeitung:

Wie können sie ihre Lösung prüfen und aufgrund ihrer Beobachtungen verändern?

Passt die Vorlage dort an, wo diese Fragen noch nicht ausreichend beantwortet sind. Haltet eure Entscheidungen in der Übersicht «Unser Making-Unterrichtsvorhaben auf einen Blick» fest.

Was eine tragfähige Making-Unterrichtsplanung auszeichnet

Freiräume und Unterstützung zusammendenken

Eine systematische Übersicht über 62 Studien zur Maker Education zeigt die Bedeutung der pädagogischen Begleitung: Untersucht wurden unter anderem gezielte Hilfen, Zusammenarbeit und die Unterstützung durch andere Lernende. Für die Unterrichtsplanung bedeutet dies, eigenständiges Arbeiten mit erreichbarer Unterstützung zu verbinden. Welche Hilfen passen, hängt von der Lerngruppe und der Herausforderung ab (Davies & Seitamaa-Hakkarainen, 2025).

Entwicklungsschleifen ermöglichen

Eine Untersuchung gemeinsamer Erfindungsprojekte mit 13- bis 14-jährigen Lernenden in Finnland beschreibt offene, nicht geradlinige Entwicklungsverläufe. Skizzieren, praktisches Experimentieren und die Arbeit mit Materialien waren eng mit der Entwicklung von Wissen und Lösungen verbunden. Die Ergebnisse sprechen dafür, in der Planung Rücksprünge und Überarbeitungen zu ermöglichen, statt einen durchgehend linearen Ablauf vorauszusetzen (Davies et al., 2024).

Lernen unterwegs sichtbar machen

Die Forschungsübersicht verweist auch auf prozessbezogene Portfolios und Selbsteinschätzung als untersuchte Zugänge zur Dokumentation und Beurteilung. Für euer Vorhaben lässt sich daraus ableiten: Plant ausgewählte Lernspuren und Reflexionsgelegenheiten ein, die zu euren Lernzielen passen. So könnt ihr mit den Lernenden auch über Entscheidungen und Veränderungen sprechen, die am fertigen Produkt allein nicht erkennbar sind (Davies & Seitamaa-Hakkarainen, 2025).

Euer nächster Schritt: Die Herausforderung startklar machen

Nehmt eure Übersicht «Unser Making-Unterrichtsvorhaben auf einen Blick» zur Hand. Formuliert daraus einen kurzen Arbeitsauftrag für die Lernenden. Er soll verständlich machen:

Die Herausforderung:

Wofür entwickeln wir eine Lösung?

Die Anforderungen:

Was soll unsere Lösung leisten?

Die Freiräume:

Was dürfen wir selbst entscheiden?

Die Erprobung:

Wie prüfen und verbessern wir unsere Idee?


Besprecht den Auftrag mit einer Kollegin oder einem Kollegen. Ist das Lernziel in der Aufgabe erkennbar? Sind unterschiedliche Lösungen möglich? Reichen Zeit und Materialien für eine erste Erprobung und Überarbeitung?

Legt anschliessend fest, wann ihr während des Vorhabens gemeinsam auf die Zwischenstände schaut. Nutzt diesen Moment, um Fragen aufzugreifen und die nächsten Schritte mit den Lernenden zu klären.

Literatur und Links

Davies, S., & Seitamaa-Hakkarainen, P. (2025). Research on K-12 maker education in the early 2020s – a systematic literature review. International Journal of Technology and Design Education, 35, 763–788. https://doi.org/10.1007/s10798-024-09921-6

Davies, S., Seitamaa-Hakkarainen, P., & Hakkarainen, K. (2024). Knowledge creation through maker practices and the role of teacher and peer support in collaborative invention projects. International Journal of Computer-Supported Collaborative Learning, 19, 283–310. https://doi.org/10.1007/s11412-024-09427-2

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