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Wie plane ich makerorientierten Unterricht?

Wie begleite ich offene Making-Prozesse?

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Begleiter-Camp – Zwischen Beobachten und Unterstützen

Orientierung geben, Denkprozesse anregen und eigenständige Lösungswege unterstützen

Eine Gruppe kommt nicht weiter, eine andere möchte sofort mit dem Bauen beginnen, und ein Kind fragt nach der richtigen Lösung. In offenen Making-Prozessen entstehen unterschiedliche Bedürfnisse gleichzeitig. Ihr entscheidet immer wieder neu, wo ihr abwartet, nachfragt, etwas vormacht oder gemeinsam mit den Lernenden einen nächsten Schritt entwickelt.

Ausgangspunkt ist ein genauer Blick auf die Situation: Woran arbeiten die Lernenden gerade? Was haben sie bereits versucht? Fehlt ihnen Wissen, eine Arbeitstechnik, eine verständliche Zielvorstellung oder eine Idee für das weitere Vorgehen?

Darauf könnt ihr eure Unterstützung abstimmen. Manchmal hilft eine Frage, manchmal ein kurzer fachlicher Hinweis oder eine Einführung am Werkzeug. Zugleich brauchen die Lernenden Gelegenheit, Vermutungen selbst zu prüfen, Entscheidungen zu treffen und ihre Lösungen zu überarbeiten.

In diesem Beitrag richtet ihr den Blick auf eure Rolle als Begleitperson. Ihr entwickelt ein Repertoire für typische Situationen und klärt, wie ihr eigenständiges Arbeiten, Zusammenarbeit und den Umgang mit Schwierigkeiten unterstützt.

Quick Facts

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Zielgruppe:

Lehrperson, PICTS

Kompetenzstufen:

anwenden | adaptieren

Organisation / Unternehmen:

Making Handreichung

Das nehmen ihr mit

Ihr beobachtet Arbeits- und Denkprozesse, bevor ihr Unterstützung anbietet.

Ihr nutzt Fragen und kurze Impulse, um nächste Schritte anzuregen.

Ihr unterscheidet zwischen produktivem Ausprobieren und Situationen, in denen gezielte Hilfe nötig ist.

Ihr unterstützt den Austausch und die Zusammenarbeit unter den Lernenden.

Leitfrage für euer Team:

Welche Unterstützung hilft den Lernenden jetzt weiter und lässt ihnen Verantwortung für ihren Lösungsweg?

In fünf Schritten offene Making-Prozesse begleiten


1. Beobachten und verstehen

Verschafft euch zunächst einen Einblick in die Situation. Betrachtet den Zwischenstand und hört zu, wie die Lernenden über ihr Vorhaben sprechen. Eine Pause oder ein misslungener Versuch bedeutet noch nicht, dass die Gruppe Hilfe benötigt.

Lasst euch die Absicht und bisherige Versuche erklären. So könnt ihr unterscheiden, ob die Lernenden gerade nachdenken, verschiedene Möglichkeiten erproben oder tatsächlich feststecken.

Mögliche Fragen:

«Was möchtet ihr erreichen?» – «Was habt ihr bisher ausprobiert?» – «Was habt ihr dabei beobachtet?»

2. Einen nächsten Schritt anregen

Wenn die Lernenden nicht weiterkommen, helft ihnen, die Schwierigkeit einzugrenzen. Richtet den Blick auf einen überschaubaren nächsten Versuch. Gebt ihnen anschliessend Zeit, die Frage zu bearbeiten.

Vermeidet eine Folge von Fragen, die nur auf eure eigene Lösung hinausläuft. Fragt nach Vermutungen und danach, wie diese überprüft werden könnten.

Mögliche Fragen:

«An welcher Stelle funktioniert es noch nicht?» – «Was vermutet ihr als Ursache?» – «Wie könntet ihr das mit einem einfachen Versuch prüfen?»

3. Unterstützung passend dosieren

Entscheidet, welche Hilfe gerade nötig ist. Fehlt eine konkrete Arbeitstechnik oder fachliches Wissen, kann eine kurze Erklärung oder Demonstration hilfreicher sein als eine weitere Frage. Anschliessend übernehmen die Lernenden wieder und wenden das Gezeigte auf ihr Vorhaben an.

Wenn ein Problem zu gross wirkt, grenzt gemeinsam einen Teil davon ein. Bei Überforderung oder anhaltendem Frust klärt ihr, was entlastet: eine Pause, ein kleineres Teilziel, zusätzliches Material oder eine gemeinsame Erprobung. Bei unsicherem Werkzeuggebrauch greift ihr direkt ein.

Möglicher Impuls:

«Ich zeige euch diese Verbindungstechnik. Danach entscheidet ihr, ob und wie sie für eure Konstruktion passt.»

4. Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe ermöglichen

Achtet darauf, wer Ideen einbringt, Entscheidungen trifft und Werkzeuge bedient. Unterstützt Gruppen dabei, Aufgaben so zu verteilen, dass alle beteiligt sind und Neues ausprobieren können. Vereinbarte Rollen dürfen wechseln.

Macht vorhandenes Wissen in der Klasse nutzbar. Wer eine Technik bereits kennt, kann sie erklären oder vorführen. Achtet darauf, dass helfende Lernende die Arbeit nicht dauerhaft übernehmen und andere Gelegenheit zum eigenen Handeln erhalten.

Mögliche Fragen:

«Welche Ideen habt ihr noch nicht besprochen?» – «Wer möchte diesen Arbeitsschritt ausprobieren?» – «Wer kann euch erklären, wie diese Technik funktioniert?»

5. Erfahrungen aufgreifen und Verantwortung zurückgeben

Nutzt kurze Zwischenstopps, um Beobachtungen und Entscheidungen zu besprechen. Bezieht euch in euren Rückmeldungen auf konkrete Handlungen: «Ihr habt die beiden Verbindungen getestet und anschliessend die stabilere gewählt.»

Auch ein misslungener Versuch kann Informationen liefern. Helft den Lernenden zu benennen, was sie daraus schliessen und was noch offenbleibt. Vereinbart bei Bedarf einen nächsten Austausch, ohne jeden weiteren Schritt festzulegen.

Mögliche Fragen:

«Was wisst ihr jetzt, was vorher unklar war?» – «Welche Veränderung möchtet ihr als Nächstes prüfen?» – «Was könnt ihr selbstständig weiterführen?»

Unsere Begleitung im Blick

Wählt nach einer Making-Sequenz eine konkrete Situation aus und besprecht sie kurz im Team oder haltet eure Gedanken dazu fest.

Die Situation:

Woran arbeiteten die Lernenden? Was konnte ich beobachten?

Meine Einschätzung:

Welche Unterstützung schien nötig? Worauf stützte ich diese Einschätzung?

Mein Handeln:

Habe ich abgewartet, nachgefragt, erklärt, etwas vorgemacht oder direkt eingegriffen?

Die Reaktion:

Was taten die Lernenden danach? Konnten sie ihren nächsten Schritt selbst bestimmen?

Die Beteiligung:

Wer kam zum Denken, Entscheiden und praktischen Arbeiten? Wer blieb eher am Rand?

Mein nächster Versuch:

Was möchte ich in einer ähnlichen Situation beibehalten oder anders machen?

Making begleiten – Einblicke in unterschiedliche Rollen

Interessen aufgreifen, eine Technik erklären oder gegenseitige Hilfe ermöglichen: Begleitung nimmt im Making unterschiedliche Formen an. Diese Beispiele aus Vilters-Wangs zeigen, wie Lehrpersonen ihre Unterstützung an die Situation anpassen und Lernende Verantwortung übernehmen. Achtet darauf, wann die Lehrpersonen Orientierung geben und wo sie Raum für eigene Schritte lassen.

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Die Rolle spielt mit – Interessen aufgreifen und Möglichkeiten eröffnen

Ein Schulischer Heilpädagoge berichtet, wie sich pädagogische Begleitung und technisches Wissen ergänzen. An konkreten Situationen zeigt er, wie eine kurze Einführung eigene Projekte anstossen kann und wie er seine Erfahrungen mit Lernenden und Kolleg teilt.

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Makey Makey und Scratch – gemeinsam Lösungen entwickeln

Nach einer angeleiteten Einführung entwickeln Lernende eigene Umsetzungen mit Makey Makey und Scratch. Die Lehrpersonen beschreiben, wo Unterstützung nötig bleibt und wie gegenseitige Hilfe entsteht. Später begleiten Oberstufenlernende eine Primarklasse beim Einstieg.

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Beachballschläger gestalten – Freiraum und Anleitung verbinden

Eine 5./6. Klasse verbindet Holzarbeit mit Lasergravur. Der Erfahrungsbericht beschreibt die Vorbereitung der Lehrperson, das Testen auf Restholz und die Herausforderung, gestalterischen Freiraum mit der notwendigen technischen Anleitung und sicheren Gerätenutzung zu verbinden.

Welche Unterstützung passt zur Situation?

Wählt eine Begleitsituation aus einem der Beispiele und besprecht:

  • Was konnten die Lernenden bereits selbstständig?
  • Welche Unterstützung gab die Lehrperson oder eine andere lernende Person?
  • Welche Entscheidungen und Arbeitsschritte blieben bei den Lernenden?

Übertragt anschliessend eine Anregung auf euren Unterricht. Wählt eine konkrete Situation, in der ihr eure Begleitung bewusst erproben möchtet – etwa beim Einstieg in eine Technik, beim Feststecken einer Gruppe oder bei der gegenseitigen Hilfe. Beobachtet, was die Lernenden nach eurem Impuls selbst übernehmen.

Lernprozesse begleiten – Anregungen für eure Praxis

Wie unterstützt ihr unterschiedliche Projekte gleichzeitig? Welche Hilfen passen zu einer Challenge, und wo möchtet ihr selbst sicherer werden? Diese Ressourcen bieten Methoden zur Lernbegleitung, didaktische Hinweise zu konkreten Aufgaben und Möglichkeiten zur eigenen Weiterbildung.

Die eigene Begleitung weiterentwickeln

Making in der Schule – Tipps zur Einführung

Im Bereich «Unterrichten» findet ihr Methoden und Anregungen zur Begleitung individueller Making-Prozesse. Besonders passend ist das Material «Begleiten und bestärken: Lernprozesse unterstützen». Nutzt es, um eure Rolle zu reflektieren und die Begleitung mehrerer Projekte vorzubereiten.

Unterstützung an einer konkreten Challenge planen

MakerStars – Ideen zum Tüfteln und Erfinden

MakerStars bietet Challenges zum Tüfteln, Experimentieren und Erfinden. Lehrpersonen erhalten nach kostenloser Registrierung didaktische Hintergrundinformationen und Empfehlungen zur pädagogischen Begleitung. Nutzt diese Hinweise, um mögliche Schwierigkeiten vorauszudenken und passende Hilfen bereitzuhalten.

Eigene Making-Erfahrungen erweitern

Making in der Schule – Maker werden

Die Online-Weiterbildungsangebote auf makerspace-schule.ch sind in kurze «Lernsnacks» gegliedert. Wählt einen passenden Schwerpunkt und erprobt die Anregungen selbst. Haltet dabei fest, welche Fragen bei euch entstehen und welche Unterstützung euch beim Weiterarbeiten hilft.

Eine Begleitstrategie bewusst erproben

Wählt für die nächste Making-Sequenz einen kleinen Schwerpunkt: Lasst euch beispielsweise zuerst den bisherigen Lösungsweg erklären, bevor ihr einen Hinweis gebt. Oder plant, wie Lernende einander bei einer bestimmten Technik unterstützen können.

Notiert anschliessend eine konkrete Beobachtung: Was taten die Lernenden nach der Unterstützung? Konnten sie selbst weiterarbeiten, oder benötigten sie eine andere Hilfe?

Notiert anschliessend eine konkrete Beobachtung: Was taten die Lernenden nach der Unterstützung? Konnten sie selbst weiterarbeiten, oder benötigten sie eine andere Hilfe?

Was eine unterstützende Lernbegleitung auszeichnet

Unterstützung bewusst gestalten

Eine Untersuchung im Fab Lab Oulu beleuchtet, wie technisch erfahrene Begleitpersonen Lernende ohne Vorerfahrung beim digitalen Gestalten und Herstellen unterstützen. Sie zeigt den Bedarf, Aufgaben, Einführungen und Hilfen auch pädagogisch zu durchdenken. Für eure Praxis lässt sich daraus ableiten: Stimmt eure Unterstützung darauf ab, was die Lernenden bereits können und was sie als Nächstes verstehen oder ausprobieren möchten (Pitkänen et al., 2020).

Ideen gemeinsam weiterentwickeln

Eine finnische Fallstudie zu Erfindungsprojekten mit 13- bis 14-jährigen Lernenden untersucht die Zusammenarbeit von drei Teams. Lehrpersonen halfen unter anderem dabei, vage Ideen zu konkretisieren und durch Experimente weiterzuentwickeln. Zugleich beobachteten die Forschenden, dass zu starke Vorgaben Herausforderungen so vereinfachen konnten, dass vertieftes Weiterdenken eingeschränkt wurde (Davies et al., 2024).

Gegenseitige Hilfe gezielt ermöglichen

In derselben Studie unterstützten ältere Lernende die Teams mit Fragen, Lösungsvorschlägen und technischen Kenntnissen. Sie arbeiteten zeitweise als Teil der Gruppe mit und regten die Weiterentwicklung der Ideen an. Die Ergebnisse geben Hinweise für die Gestaltung gegenseitiger Hilfe; sie sind keine Garantie dafür, dass diese in jeder Lerngruppe gleich funktioniert (Davies et al., 2024).

Für eure Begleitung bedeutet das: Prüft nach einem Impuls, was er ausgelöst hat. Können die Lernenden ihre Idee weiterverfolgen? Ist eine Frage geklärt oder ein nächster Versuch möglich? Daran könnt ihr entscheiden, ob ihr weitere Unterstützung anbietet oder euch wieder zurücknehmt.

Euer nächster Schritt: Eine Begleitsituation genauer betrachten

Wählt für eure nächste Making-Sequenz eine Situation, die euch beschäftigt: Eine Gruppe wartet häufig auf Hilfe, ein Kind übernimmt alle praktischen Arbeiten oder Lernende geben nach einem misslungenen Versuch schnell auf.

Legt fest, was ihr genauer beobachten und welche Unterstützung ihr erproben möchtet. Nutzt dafür die Reflexionshilfe «Unsere Begleitung im Blick».

Holt anschliessend auch die Perspektive der Lernenden ein:

Was hat euch beim Weiterarbeiten geholfen?

Wo hättet ihr andere Unterstützung gebraucht?

Was möchtet ihr beim nächsten Mal selbst übernehmen?

Vergleicht die Rückmeldungen mit euren Beobachtungen und wählt eine konkrete Anpassung für die nächste Sequenz.

Literatur und Links

Davies, S., Seitamaa-Hakkarainen, P., & Hakkarainen, K. (2024). Knowledge creation through maker practices and the role of teacher and peer support in collaborative invention projects. International Journal of Computer-Supported Collaborative Learning, 19(3), 283–310. https://doi.org/10.1007/s11412-024-09427-2

Pitkänen, K., Iwata, M., & Laru, J. (2020). Exploring technology-oriented Fab Lab facilitators’ role as educators in K-12 education: Focus on scaffolding novice students’ learning in digital fabrication activities. International Journal of Child-Computer Interaction, 26, Article 100207. https://doi.org/10.1016/j.ijcci.2020.100207

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