Handreichung BL – Lehrperson – BL im Unterricht umsetzen
Blended Learning im Unterricht umsetzen
Mit einem kleinen Projekt starten und Blended Learning schrittweise aufbauen.
Blended Learning im Unterricht umsetzen
Ein gelungener Start ins Blended Learning beginnt mit einer Standortbestimmung: Digitale Kompetenzen, technische Ausstattung und pädagogische Haltung sollten geprüft, geeignete Tools erprobt und ein passendes Modell – etwa der Flipped Classroom – gewählt werden. Mit dem «Lernspiess» lassen sich analoge und digitale Elemente sinnvoll verzahnen. Planungsvorlagen und Praxisbeispiele unterstützen beim schrittweisen Aufbau
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Die Vorbereitung mit der Checkliste
Zunächst empfiehlt es sich, zu prüfen, ob die Voraussetzungen für Blended Learning gegeben sind. Dazu gehört die Einschätzung der eigenen digitalen Kompetenzen und Haltung zu Unterricht, der digitalen und weiteren Kompetenzen der Lernenden sowie der vorhandenen technischen Ausstattung. Es empfiehlt sich, erste digitale Tools auszuprobieren und sich die Frage zu stellen, ob sie einen Mehrwert für den Unterricht bieten. Auf dieser Grundlage kann beispielsweise das Unterrichtsmodell Flipped Classroom ausgewählt und mit der Lernspiess-Methode geplant werden. Der Einstieg kann mit einem kleinen Projekt erfolgen, das schrittweise erweitert werden kann. Hier finden sich Informationen, Planungshilfen und Praxisbeispiele.
Für Cäsar Camenzind, Schulleitung SoHo Wil, eröffnet Blended Learning grosse Chancen - für ihn ist die digitale Transformation klar ein Schulentwicklungsprojekt, das viel weiter gehen sollte als die Digitalisierung von Material und Abläufen. Seine Highlight aus der Modellschulzeit:
«Ich freue mich zu sehen, dass das iPad für die Lernenden ein Arbeitsgerät ist - nicht mehr nur ein Gerät zum Gamen»
«Blended Learning heisst nicht nur, hier und dort etwas Technik einsetzen»
Mit Blended Learning loslegen
Für einen erfolgreichen Start in Blended Learning empfiehlt es sich, schrittweise und im Team vorzugehen. Ein agiles Vorgehen ist dabei hilfreich: ausprobieren, Ergebnisse überprüfen, reflektieren, verbessern oder auch verwerfen.
1. Erste digitale Element sinnvoll einbinden
Der Einstieg in Blended Learning-Unterricht gelingt durch die Integration ausgewählter digitaler Elemente wie Lernvideos, interaktive Übungen oder Online-Diskussionen. Dabei ist entscheidend, welche Lernprozesse oder Unterrichtsphasen durch digitale Tools sinnvoll unterstützt oder angeregt werden können.
Wichtig ist, Werkzeuge auszuwählen, die den Lernerfolg fördern, ohne übermässigen Mehraufwand zu erzeugen. Einige Tools lassen sich regelmässig und fächerübergreifend einsetzen, andere sind eher punktuell geeignet. Zudem sollte berücksichtigt werden, mit welchen Anwendungen sich Lernende wohlfühlen und welche sie stärker herausfordern.
Vor und während der Umsetzung von Blended Learning sollten verschiedene Tools getestet werden, um sicherzustellen, dass sie zu den individuellen Bedürfnissen der Lernenden und den Unterrichtszielen passen.
- Durch das Testen lassen sich Benutzerfreundlichkeit und technische Zuverlässigkeit der Tools überprüfen. So können mögliche Probleme frühzeitig erkannt und passende Alternativen entwickelt werden.
- Regelmässige Tests während der Nutzung stellen sicher, dass die Tools wirksam eingesetzt werden und sich an die Lernfortschritte sowie Bedürfnisse der Lernenden anpassen.
ACHTUNG
Vor dem Einsatz von Blended Learning sollte sichergestellt sein, dass die notwendigen technischen Ressourcen vorhanden sind – etwa eine geeignete Lernplattform, digitale Endgeräte, Zugänge zu Online-Lernmaterialien sowie gegebenenfalls erforderliche Lizenzen. Empfehlenswert sind Plattformen, die leicht zu bedienen sind, von der Schule unterstützt werden und den kantonalen Datenschutzbestimmungen entsprechen.
2. Eigene Ziele und Bedürfnisse klären
Aufbauend auf den Erfahrungen aus Schritt 1 gilt es, die eigenen Ziele und Bedürfnisse zu reflektieren:
- Welche Lernziele sollen mit Blended Learning und dem Einsatz der getesteten Tools erreicht werden?
- In welchen Bereichen kann der Unterricht konkret davon profitieren?
3. Ein geeignetes Blended-Learning-Modell wählen
Auf Grundlage der Bedarfsanalyse (Schritt 2) und der ersten Erfahrungen (Schritt 1) gilt es, ein Modell auszuwählen, das am besten zu den definierten Zielen und zur Struktur des Unterrichts passt. Empfehlenswert ist ein schrittweises Vorgehen: klein beginnen, Ergebnisse reflektieren und evaluieren, bevor weitere Schritte umgesetzt werden.
4. Erfahrungen reflektieren und Ansätze weiterentwickeln
Nach den ersten Umsetzungen ist es wichtig, Rückmeldungen der Lernenden einzubeziehen und den Ansatz gezielt zu optimieren. Auch der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die bereits Erfahrungen mit Blended Learning gesammelt haben, kann wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung liefern.
Eine erste Einheit planen mit dem Lernspiess
Bereits verschiedene Tools wurden im Unterricht und mit der Klasse ausprobiert. Die eigene Haltung sowie die Rolle als Lehrperson im Blended Learning wurden reflektiert. Ein passendes Blended Learning-Modell für die Lernenden und den Unterricht ist ausgewählt. Damit ist der Einstieg ins Blended Learning geschafft. Nun kann mit dem ersten Unterrichtsprojekt und der Themenplanung begonnen werden.
Bei der Planung einer ersten Blended Learning-Einheit gilt es, verschiedene Elemente des Lernprozesses zu kombinieren:
- analoge und digitale Medien
- gemeinsames Lernen und individuelle Lernphasen
- gegebenenfalls unterschiedliche Lernorte
Bei der Planung unterstützen kann das Modell des Lernspiess', dass zusammen mit den ITBO-Modellschulen entwickelt wurde. Planungsmaterialien und Tipps zum genauen Vorgehen finden sich auf der Seite «Blended Learning im Unterricht planen» und im Blended Learning Lernpfad:

Visualisierung des Lernspiesses.
Unterrichtsbeispiele aus den Modellschulen
Diese Geschichten (Stories) erzählen von den Erfahrungen, gelungenen und gescheiterten Entwicklungsschritten, Hindernissen wie auch Erfolgen und dies entlang von Personen, die direkt von ihrem Alltag mit Blended Learning im Unterricht berichten. Diese Erlebnisberichte und Unterrichtsbeispiele soll allen interessierten Personen Mut zum Mitmachen, zur Veränderung und Entwicklung in den Bereichen Unterrichts-, Personal- und Organisationsentwicklung im Rahmen der digitalen Transformation an ihren Schulen machen.
Bei Fragen kann direkt auf die jeweiligen Schulen und Lehrpersonen zugegangen werden.
Für die Geschichte “Goldener Apfel” von Max Bolliger /Celestino Piatti wurden mithilfe von iPad und Sprachmemo App alternative Enden erarbeitet.
Die Entwicklerinnen des Zyklus 2 haben mit der «Spiesslimethode» das NMG-Thema «vom Korn zum Brot» vorbereitet und durchgeführt.
Die Schüler:innen erstellen zu je einem Kanton der Schweiz einen Thinglink (digital). Zudem gestalten sie einen passenden «Marktstand» (analog), welchen sie zusammen mit dem Thinglink vor anderen Klassen bzw. den Eltern präsentieren.
Wie beurteile ich im Blended Learning? Wie gebe ich Feedback?
Der Lernspiess ist auch ein ideales Instrument zur Visualisierung und Dokumentation der Beurteilungs- sowie Feedback-Situationen. Für die Beurteilung bietet der Lernspiess mehrere Vorteile:
- Transparenz: Lernziele und Kriterien für den Lernerfolg sind für Lernende und Lehrpersonen klar ersichtlich.
- Individualisierung: Lernende können ihren Fortschritt eigenständig reflektieren und dokumentieren. Dies ermöglicht eine personalisierte Rückmeldung und gezielte Förderung.
- Kompetenzorientierung: Der Fokus liegt nicht nur auf dem Endergebnis, sondern auch auf dem Prozess und der Entwicklung der Kompetenzen.
Ist das als Lernspiess konzipierte Unterrichtsarrangement integriert in ein Lernmanagement-System, können einzelne Schritte meist direkt im System beurteilt werden resp. ein Feedback kann direkt, meist schriftlich (Texteingabe) oder mündlich (Audio- oder Videoeingabe) von der Lehrperson erfasst werden. Auch Peer-to-Peer-Feedback ist in der Regel möglich und es gibt Frage- resp. Rückmelde-Optionen für die Lernenden an die Lehrperson. Mehr zu diesem Thema findest du im Kapitel «Tools».

Ideenpool zum Thema Feedback & Beurteilung:
Die ITBO-Modellschulen haben sich intensiv mit der Fragestellung auseinandergesetzt, wie und wann die Beurteilung digital unterstützt durchgeführt werden kann. Daraus entstanden ist ein Fundus an Tools, die im Bereich Beurteilung eingesetzt werden können. Die Erfahrungen, welche die Schulen beim Einsatz gemacht haben, werden bei den jeweiligen Einträgen aufgeführt. Diese stehen gesammelt in einem Ideenpool zum Thema Lernprozessgestaltung & Beurteilung zur Verfügung:
Herausforderungen und Stolpersteine und wie du diese umgehen kannst
Beim Einsatz von Blended Learning gibt es einige Stolpersteine, die du im Voraus berücksichtigen solltest, um Hindernisse zu vermeiden. Diese Auflistung von potenziellen Stolpersteinen und Tipps, wie du mit diesen umgehen kannst, stammen aus den Erfahrungen der ITBO-Modellschulen.

Fehlende One-to-One-Ausstattung
Auch ohne eine One-to-One-Ausstattung lässt sich Blended Learning erfolgreich im Unterricht umsetzen. Die folgenden Ansätze zeigen, wie dies mit begrenzten Ressourcen gelingen kann:
Stationenarbeit mit digitalen Elementen
Im Rotationsmodell wird die Klasse in Gruppen eingeteilt, die an verschiedenen Stationen arbeiten. Eine Station kann mit den vorhandenen digitalen Geräten ausgestattet sein, während andere Stationen analoge Aufgaben beinhalten. Auf diese Weise können alle Lernenden abwechselnd digitale Tools nutzen – ohne dass jede oder jeder ein eigenes Gerät benötigt
Flipped Classroom im Schulhaus mit geteilten Geräten
Im Flipped-Classroom-Modell eignen sich die Lernenden neue Inhalte mithilfe von Materialien wie Videos zunächst selbstständig an, bevor die Inhalte im Unterricht gemeinsam vertieft werden.
Dies ist auch mit geteilten Geräten möglich. Hausaufgaben oder schulische Aufgaben lassen sich flexibel gestalten, sodass die vorhandenen Geräte abwechselnd genutzt werden können. Die Erfahrungen der Modellschulen zeigen, dass dieses Konzept auch ohne eine Eins-zu-eins-Ausstattung gut funktioniert: Lernende erarbeiten sich Inhalte eigenständig und haben zugleich die Möglichkeit, bei Bedarf Unterstützung durch Lehrpersonen oder Mitschülerinnen und Mitschüler zu erhalten. Das klassische Flipped-Classroom-Modell, bei dem Lernende Inhalte ausschliesslich zuhause vorbereiten, eignet sich hingegen nicht für alle, da dort die unmittelbare Unterstützung fehlt.
Kollaborative digitale Aufgaben
Gruppenarbeiten bieten die Möglichkeit, digitale Projekte mit nur wenigen Geräten umzusetzen. Die Lernenden arbeiten dabei gemeinsam an Präsentationen, Videos oder anderen Produkten. In der Regel genügt ein Gerät pro Gruppe, um die Aufgaben erfolgreich zu bearbeiten.
Weiterführende Informationen
... bietet das Dokument Szenario Blended Learning praktische Tipps und Ansätze:

Fehlende digitale Kompetenzen bei Lehrenden / Lernenden
Nicht alle Lernenden – und auch nicht alle Lehrpersonen – verfügen über ausreichende digitale Fähigkeiten, um digitale Tools effektiv zu nutzen. Ein Mangel an Kompetenzen kann zu Frustration führen und den Lernerfolg beeinträchtigen.
Schrittweise Einführung digitaler Tools
Digitale Anwendungen können nach und nach in den Unterricht integriert werden, um die digitalen Fähigkeiten der Lernenden systematisch zu fördern. Unterstützend wirken hierbei Tutorials oder Peer-Learning-Ansätze, bei denen Lernende miteinander und voneinander lernen.
Team-Teaching-Sequenzen
Durch den Einsatz von Team-Teaching lassen sich Unterrichtssequenzen gemeinsam vorbereiten und umsetzen. Dabei können Materialien, Erfahrungen und praxisnahe Tipps geteilt werden. Ergänzende Anleitungen und Hinweise zur Nutzung der Tools erleichtern zudem die Anwendung im Unterricht.
Einsatz der Lernplattform LernIT
Ein hilfreiches Tool für den Einstieg ist die Plattform LernIT. Sie unterstützt Lehrpersonen und Lernende dabei, Fragen zur Bedienung von Geräten, Apps und Tools eigenständig zu klären. Erklärfilme – beispielsweise zur Nutzung der Kamera oder zum Verbinden mit dem WLAN – ermöglichen selbstständiges Weiterlernen und entlasten gleichzeitig die Supportmitarbeitenden. Einige dieser kurzen Erklärfilme wurden sogar von Schülerinnen und Schülern erstellt – ganz im Sinne des Mottos «von Schüler:innen für Schüler:innen».

Begrenzte Zeitressourcen
Blended Learning erfordert eine sorgfältige Vorbereitung und Planung, da Unterrichtsmaterialien für die Online- und Präsenzphasen aufeinander abgestimmt werden müssen. Mehr dazu im Kapitel Blended Learning planen. Dies kann den Arbeitsaufwand für Lehrpersonen zu Beginn deutlich erhöhen.
Schrittweise Einführung kleiner Projekte
Blended-Learning-Elemente können nach und nach ausgebaut werden. Bereits bestehende digitale Materialien und Plattformen helfen, den Aufwand für die eigenständige Erstellung zu reduzieren.
Kooperation und Materialaustausch
Die gemeinsame Vorbereitung von Unterricht sowie der Austausch von Materialien mit Kolleginnen und Kollegen entlasten und fördern die Effizienz. Digitale Plattformen bieten hierfür geeignete Strukturen.
Unterstützende digitale Tools
Plattformen und digitale Werkzeuge können die Nachbereitung, Korrektur sowie Feedback- und Beurteilungsprozesse erleichtern. Im Produkt Ideenpool zum Thema Beurteilung und Feedback finden sich Inputs und Erfahrungsberichte, die geeignete Tools und Plattformen vorstellen und deren Einsatz im Team unterstützen.
Geringer Erfahrung der Lernenden, selbstständig zu arbeiten
Blended Learning setzt voraus, dass Lernende in der Lage sind, eigenverantwortlich zu arbeiten – insbesondere in den asynchronen Phasen. Fehlt es an Reife, Motivation oder ausreichender Unterstützung, kann dies zu einer geringeren Lernbeteiligung führen.
Förderung von Eigenverantwortung und Selbstorganisation
Klare Strukturen, regelmässiges Feedback und gezielte Anleitungen unterstützen Lernende dabei, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. Ein schrittweises Vorgehen mit kleineren, überschaubaren Aufgaben erleichtert den Aufbau von Selbstständigkeit.
Einsatz von Lernmanagement-Systemen
Systeme wie LearningView, Schabi oder Escola bieten Orientierung im Lernprozess. Sie stellen Materialien jederzeit zur Verfügung, schaffen transparente Strukturen und machen auf einen Blick sichtbar, welche Aufgaben und Ziele bereits erledigt wurden und welche noch offen stehen.
Technische Probleme
Unzuverlässige Technik oder eine unzureichende IT-Infrastruktur können den Blended-Learning-Unterricht erheblich beeinträchtigen. Betroffen sind dabei sowohl die Verfügbarkeit von Geräten als auch die Stabilität der Internetverbindung und die Unterstützung durch den IT-Support. Um Ausfälle abzufedern, sind Alternativen wie offline verfügbare Materialien oder vorbereitete Backup-Aufgaben hilfreich.
Fehlende Unterstützung und Weiterbildung
Damit Blended Learning erfolgreich umgesetzt werden kann, sind passende Schulungen und Unterstützung erforderlich. Fehlen geeignete Fortbildungen oder pädagogischer sowie technischer Support, kann die Implementierung erschwert werden.
Austausch im Kollegium
Durch Zusammenarbeit und Austausch im Team lassen sich neue Ideen und Tipps sammeln. Ressourcen können gemeinsam genutzt und Materialien geteilt werden.
Unterstützung durch den PICTS
Interne Fortbildungen oder die Beratung durch PICTS bieten Unterstützung bei spezifischen Fragen. Auch Team-Teaching-Formate können hilfreich sein.
Fortbildungsangebote nutzen
Externe Angebote, etwa die Module auf aprendo, ermöglichen eine gezielte Weiterbildung und tragen dazu bei, Blended Learning nachhaltig zu verankern.

Stolpersteine aus den Modellschulen
Die Lehrpersonen aus den Modellschulen erzählen von ihren Stolpersteinen und wie sie damit umgegangen sind:
Alexsandra und Mirjam, SOHO Wil (Oberstufe)
Beat und Julian. SOHO Wil (Oberstufe)
Lukas und Vanessa, Primarschule Eggersriet-Grub (Mittelstufe)
Adrian und Carmen, Primarschule Eggersriet-Grub (Unterstufe)





