Handreichung BL – Was ist BL – Einführung
Einführung
Was ist Blended Learning und welche Potenziale bietet es?
Blended Learning verstehen
Was ist Blended Learning und welche Potenziale bietet es für das Lernen und Unterrichten? Hier findest du die wichtigsten Grundlagen auf einen Blick.
Mehr Inhalt zur Rubrik:
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Weiterbildung
Was ist Blended Learning?
Blended Learning bezeichnet eine Unterrichtsform, die unterschiedliche Lehr- und Lernformen miteinander zu einem Lernpfad mischt (engl. "to blend"). Die Mischung kann sich auch auf weitere Aspekte beziehen:
- Kombination analoger und digitaler Lernangebote
- Kombination von gemeinsamem und individuellem Lernen
- Kombination aus Lerninhalten, die von der Lehrperson zur Verfügung gestellt oder von den Lernenden erstellt werden.
Blended Learning kann unterschiedlich umgesetzt werden. Dabei müssen das Alter der Lernenden, die Inhalte, die Lernsituation und die (technologische) Ausrüstung in die Auswahl berücksichtigt werden.
Hier auf der linken Seite siehst du eine Darstellung eines möglichen Aufbaus einer BL-Lerneinheit mit der Mischung von analogen und digitalen Elementen.
Blended Learning ist ... - das sagen Entwicklerinnen und Entwickler aus den Modellschulen:
Wie kann Blended Learning aussehen?
In der folgenden interaktiven Abbildung werden die verschiedenen Varianten in der Übersicht nach Stalker und Horn (2012) präsentiert:
Literatur und Links
Wozu Blended Learning?
Potenziale von Blended Learning im Unterricht
Durch Blended Learning können Lernende mehr Eigenverantwortung für ihr Lernen übernehmen. Sie haben direkten Zugang zu Unterrichtsmaterialien und können in ihrem eigenen Tempo arbeiten. Dies fördert nicht nur die Selbstständigkeit, sondern kann auch die Lernmotivation durch erlebte Selbstwirksamkeit steigern.
Für Lehrpersonen bietet Blended Learning die Möglichkeit, Unterrichts-, Vorbereitungs- und Nachbereitungszeiten effizient zu gestalten. Digitale Tools unterstützen die Beobachtung individueller Lernfortschritte, was eine gezielte Förderung ermöglicht. So entsteht Raum für die persönliche Betreuung und Coaching einzelner Lernender oder Lerngruppen. Unterrichtsmaterialien können zudem mit anderen Lehrpersonen geteilt werden, was den eigenen Vorbereitungsaufwand reduzieren kann.
Blended Learning ermöglicht es, den Unterricht flexibel zu gestalten und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Lehrpersonen können verschiedene Lernmethoden kombinieren und so unterschiedliche Bedürfnisse ansprechen. Gleichzeitig bleibt der wichtige persönliche Austausch im Klassenzimmer erhalten.
Arbeiten im Team reduziert den Aufwand
Zwar kann der Aufwand zu Beginn steigen, doch langfristig – insbesondere in der Zusammenarbeit mit anderen Lehrpersonen – können die Vorteile der gesteigerten Effizienz den eigenen Aufwand deutlich verringern.
Ein Wichtiger Nebeneffekt von Blended Learning ist die Stärkung der Medienkompetenz der Lernenden inkl. verantwortlichem Umgang mit Medien.
Im Video erzählen Entwicklerinnen und Entwickler aus den Modellschulen von ihren AHA-Erlebnissen mit Blended Learning im Unterricht:
Literatur und Links
Vorteile Lernende
Abwechslungsreiche Lernformate
Blended Learning kombiniert digitale und analoge Methoden, sodass der Unterricht abwechslungsreich und vielseitig gestaltet werden kann.
Individuelle Förderung auf unterschiedlichen Lernniveaus
Mit adaptiven Lernplattformen und differenzierten Aufgaben können Lernende in ihrem eigenen Tempo lernen. Leistungsstärkere Lernende erhalten zusätzliche Herausforderungen, während diejenigen, die mehr Unterstützung benötigen, gezielt gefördert werden können.
Die folgenden Storys zeigen, wie die Modellschulen Blended Learning umgesetzt haben:
Förderung digitaler Grundkompetenzen
Bereits in der Primarschule können Schülerinnen und Schüler durch Blended Learning wichtige digitale Fähigkeiten erwerben - etwa den sicheren Umgang mit Lernplattformen oder digitalen Medien. Diese Grundkompetenzen bilden eine zentrale Basis für ihre weitere schulische Laufbahn und spätere berufliche Entwicklung.
Verbesserung von Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein
Blended Learning unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, Fähigkeiten zur Selbstorganisation zu entwickeln und auszubauen. Sie lernen beispielsweise, Aufgaben in einer digitalen Lernumgebung zu bearbeiten oder ihre Fortschritte zu dokumentieren. Auf diese Weise wird ihr Verantwortungsbewusstsein Schritt für Schritt gestärkt.
Wie diese Vorteile in der Praxis sichtbar werden, lässt sich in den folgenden Storys erkennen:
Literatur und Links
Vorteile aus Sicht der Lehrpersonen
Erweiterung der methodisch-didaktischen Gestaltungsmöglichkeiten
Blended Learning eröffnet Lehrpersonen vielfältige Chancen, den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten. Durch die Kombination von Präsenzunterricht mit digitalen Elementen lassen sich Inhalte flexibel vermitteln und unterschiedliche Lernbedürfnisse gezielt ansprechen.
Effiziente Nutzung von Unterrichtszeit - Individualisierte Förderung
Digitale Lernphasen ermöglichen es, grundlegende Inhalte bereits im Vorfeld zu vermitteln, etwa durch Lernvideos oder interaktive Übungen (Flipped Classroom). Die wertvolle Präsenzzeit kann dadurch gezielt für Diskussionen, Vertiefungen und individuelle Förderung genutzt werden.
Wie diese Vorteile in der Praxis sichtbar werden, lässt sich in den folgenden Storys erkennen:
Vereinfachte Lernstandserhebung
Digitale Tools und Plattformen geben Lehrpersonen in Echtzeit Einblick in die Lernfortschritte und Herausforderungen der Schülerinnen und Schüler. So lässt sich der Unterricht datenbasiert anpassen und eine gezielte Unterstützung der Schülerinnen und Schüler ermöglichen.
Entlastung durch wieder verwendbare Materialien
Einmal erstellte digitale Inhalte - wie Lernvideos, interaktive Aufgaben oder Tests - können langfristig genutzt werden. Dies reduziert den Vorbereitungsaufwand und schafft Raum für die individuelle Betreuung der Lernenden.
Erfahrungen aus den Modellschulen - Schulleitung:
«Leider wird aktuell ein falsches Bild von Digitalisierung in den Schulen in den Medien gezeichnet. Wir haben das Digitale als Hilfsmittel erlebt, das uns viele Freiheit gegeben hat und mehr Fokus zulässt auf das wichtige im Unterricht: Mehr Fokus auf den einzelnen Lernenden.»
Dies sagt Cäsar Camenzind, Schulleiter der Modellschule SoHo in Wil. Mehr dazu im Video:
Erfahre von den Lehrpersonen aus den Modellschulen, worauf sie nach drei Jahren Blended Learning im Unterricht nicht mehr verzichten möchten:
Rolle & Haltung der Lehrperson
Im Blended Learning nimmt die Lehrperson verschiedene Rollen ein, die weit über die traditionelle Rolle als Wissensvermittelnde hinausgehen. Die wichtigsten Rollen sind:
Coach und Mentor:in
Lehrpersonen begleiten die Lernenden individuell und unterstützen sie dabei, ihre Lernziele zu erreichen. Sie geben gezielt Feedback, helfen bei der Selbstreflexion und fördern die Selbststeuerung der Lernenden.
Moderator:in und Lernbegleiter:in
Im Unterricht moderiert die Lehrperson Diskussionen und Lernaktivitäten. Sie unterstützt die Lernenden dabei, Wissen zu vertiefen, indem sie Fragen stellt und Diskussionen anregt. Diese Rolle ist besonders wichtig in asynchronen Phasen, wo Lernende eigenständig arbeiten.
Fachliche Ansprechperson
Trotz der verstärkten Eigenverantwortung der Lernenden ist die Lehrperson eine wichtige Anlaufstelle bei fachlichen Fragen oder Schwierigkeiten. Lernende können jederzeit auf ihre Unterstützung zurückgreifen, um Unklarheiten zu beseitigen.
Didaktische Designer:in
Eine zentrale Aufgabe der Lehrperson ist die Gestaltung von Lernpfaden und die Auswahl geeigneter analoger und digitaler Werkzeuge. Dabei wird besonders auf die Mischung von Präsenz- und Onlinephasen geachtet, um den Lernprozess abwechslungsreich und individuell anpassbar zu gestalten: Die werden Lernenden werden ins Zentrum der Planung gesetzt.
Unterschiedliche Meinungen zu BL sind normal und können als Ressource dienen. In den Modellschulen wurden Fortschritte dort sichtbar, wo Haltungen offen gelegt, gemeinsam reflektiert und mit konkreten Unterrichtserfahrungen rückgekoppelt wurden.
Das Genially stellt exemplarische Haltungen vor. Ziel ist nicht die Bewertung, sondern das Verständnis, wie Überzeugungen, Erfahrungen und Rahmenbedingungen BL-Praktiken prägen – von der Gestaltung digital-analoger Phasen über Feedbackprozesse bis zur Kooperation im Team. Die Begleitevaluation aus den Modellschulen betont dabei die Bedeutung von Austausch, klaren Strukturen und realistischen Ressourcen, damit unterschiedliche Haltungen produktiv werden können. Um die verschiedenen möglichen Rollen möglichst effektiv auszufüllen, sind folgende Haltungen entscheidend:
Offenheit für digitale und methodische Innovationen
Lehrpersonen müssen bereit sein, neue Technologien und Unterrichtsmethoden zu erproben und diese in den Unterricht zu integrieren. Eine offene Haltung gegenüber Veränderungen ist notwendig, um die stetigen Weiterentwicklungen im digitalen Bereich zu nutzen.
Flexibilität
Da Blended Learning oft eine Mischung aus synchronen und asynchronen, digitalen und analogen Elementen ist, müssen Lehrpersonen flexibel auf unterschiedliche Lernsituationen und Lernbedürfnisse reagieren können
Fokus auf individuelle Förderung
Die Bereitschaft, sich auf die unterschiedlichen Lernniveaus und -stile der Lernenden einzulassen, ist essenziell. Lehrpersonen sollten die Lernenden als Individuen betrachten und gezielt fördern.
Empathie und Beziehungsarbeit
Der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu den Lernenden ist eine Grundvoraussetzung, um sie erfolgreich zu begleiten. Gerade in Blended-Learning-Szenarien, wo Eigenverantwortung eine grosse Rolle spielt, ist die soziale Interaktion und Unterstützung durch die Lehrperson entscheidend.
Ausrüstung
Eine passende technische Ausrüstung vereinfacht Blended Learning. Dazu gehören nicht nur Computer oder Tablets, sondern auch leistungsfähige Netzwerke und geeignete Software. Die Rolle einer funktionierenden IT-Infrastruktur steht ausser Frage für das Gelingen von digital gestütztem Unterricht. Trotzdem ist deren Fehlen kein Ausschlussgrund für den Start ins Blended Learning. In jeder (technologischen) Infrastruktur kann es manchmal zu Ausfällen kommen. Lehrpersonen sind entsprechend gefordert flexibel auf Unterrichtsbedingungen zu reagieren. Zentral ist also im Endeffekt der kompetente Umgang mit den vorhandenen digitalen Werkzeugen, der durch entsprechende Schulungen und Weiterbildungen gefördert werden kann.
Die Handreichung «Einführung One-to-One-Computing in der Volksschule» soll Hilfestellungen bei der Einführung von 1:1 bieten, wobei die 1:1-Ausrüstung nicht zentral für Blended Learning ist. Gerade im Zyklus 1 wird kaum eine 1:1-Ausrüstung zur Verfügung stehen und dennoch bietet gerade auch in diesem Zyklus Blended Learning viele Chancen.

