Handreichung AL – Lehrperson – Ich und meine Schule
Ich und meine Schule
Adaptives Lernen wird wirksam, wenn es gemeinsam getragen wird – über Klassen hinweg und im ganzen Team.
Wirksam im Team
Strukturen, Rollen und Kultur
Adaptives Lernen entfaltet seine Wirkung besonders dann, wenn es nicht nur in einer einzelnen Klasse umgesetzt wird, sondern zu einem gemeinsamen Entwicklungsthema der Schule bzw. mehrer Klassen wird. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis, abgestimmte Strukturen, passende Rollen und eine Kultur, in der Lernen, Ausprobieren und Weiterentwickeln wie auch die gemeinsame Reflexion selbstverständlich sind.
Die folgenden Themenbereiche unterstützen dabei, adaptives Lernen im Team zu verankern und Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
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Ich bin Lehrperson
Ich & meine Klasse
Ich & meine Schule
Weiterbildung
Gemeinsames Verständnis entwickeln
Bevor adaptives Lernen breit umgesetzt wird, braucht es ein gemeinsames Verständnis im Team. Was meinen wir als Schule mit adaptivem Lernen? Welche Elemente sind für uns zentral? Wo sehen wir Chancen, wo offene Fragen?
Ein gemeinsames Verständnis hilft, Missverständnisse zu vermeiden. Adaptives Lernen wird dann nicht als Sammlung einzelner Methoden verstanden, sondern als Haltung und Prozess: Lernstände erkennen, Lernangebote anpassen, Lernende begleiten, reflektieren und weiterentwickeln.
Die Modellschulen zeigen, wie wichtig ein gemeinsames Verständnis von adaptivem Lernen für die Schul- und Unterrichtsentwicklung ist. Auch Antje und Caroline von der Schule Wittenbach betonen die Bedeutung des gemeinsamen Verständnis. Wir haben sie gefragt, welche Vorgehensweise sie Teams empfehlen würden, die sich auf den Weg in Richtung adaptives Lernen machen möchten.
Mögliche Leitfragen:
Die folgenden Leitfragen und Instrumente, können Teams dabei unterstützen, ein gemeinsames Verständnis von adaptivem Lernen zu entwickeln und erste Entwicklungsschritte gemeinsam zu reflektieren:
- Was verstehen wir unter adaptivem Lernen?
- Welche Erfahrungen mit adaptivem Lernen haben wir bereits gemacht?
- Welche Elemente des Lernloops sind in unserem Unterricht bereits sichtbar?
- Was möchten wir auf unserer Stufe, in unserem Fach oder als Schule weiterentwickeln und stärken?
Hilfreiche Instrumente:

Die Entwicklerinnen des Zyklus 2 haben mit Hilfe der «Spiesslimethode» unser NMG-Thema «vom Korn zum Brot» vorbereitet und durchgeführt.

Stelle dich der Vielfalt in deiner Klasse: Mit passenden Aufgaben kannst du Überforderung vermeiden und die Motivation steigern. Dieser Lernpfad unterstützt dich dabei!

Der KI-Lernloop zeigt praxisnah, wie du Lernprozesse gezielt planst, begleitest und individualisierst. Von der Diagnose bis zum Transfer – mit klaren Strukturen, Beispielen und Impulsen.
Klein starten und Erfahrungen sammeln
Nicht alles muss sofort umfassend oder schulweit umgesetzt werden. Die Erfahrungen aus den Modellschulen zeigen, dass kleine, gemeinsame Entwicklungsschritte den Einstieg erleichtern und Sicherheit im Umgang mit adaptiven Lernformen schaffen können. Erste Erprobungen ermöglichen es, Erfahrungen zu sammeln, Unterricht gemeinsam weiterzuentwickeln und schrittweise ein gemeinsames Verständnis aufzubauen.
Für erste gemeinsame Entwicklungsschritte und Erprobungen können verschiedene Materialien als Orientierung und Unterstützung genutzt werden:
- Planungsraster adaptive Lernprozessgestaltung
Unterstützt Teams bei der Planung kleiner adaptiver Lernzyklen und gemeinsamer Reflexion.
- AL-Bot / Planungs- und Arbeitsassistenz
Unterstützt Lehrpersonen bei der Planung adaptiver Lernsettings, bei der Ideenfindung sowie bei Reflexions- und Weiterentwicklungsprozessen.
- Stories aus den Modellschulen
Geben Einblicke in konkrete Umsetzungen und mögliche erste Schritte im Unterrichtsalltag
Im folgenden Video berichten Lehrpersonen aus der HPV Uzwil-Flawil, welche Erfahrungen sie mit kleinen Entwicklungsschritten gemacht haben und welche Vorgehensweisen sich für den Einstieg als hilfreich erwiesen haben.
Zusammenarbeit im Team stärken
Adaptives Lernen gelingt ressourcenschonender und nachhaltiger, wenn Lehrpersonen nicht allein unterwegs sind. Im Team können Erfahrungen geteilt, Materialien gemeinsam entwickelt und Lernprozesse miteinander reflektiert werden. So entsteht eine gemeinsame Sprache darüber, was adaptives Lernen im eigenen Schulalltag bedeutet.
Wichtig ist, nicht alles gleichzeitig verändern zu wollen. Sinnvoll ist ein schrittweises Vorgehen: gemeinsam starten, erste Erfahrungen sammeln, diese auswerten und daraus nächste Entwicklungsschritte ableiten.
Die folgenden Praxisimpulse können Teams dabei unterstützen, adaptive Lernprozesse gemeinsam zu planen, Erfahrungen auszutauschen und Entwicklungsschritte sichtbar zu machen:
Projektteam
Unterricht gemeinsam vorbereiten und unterschiedliche Zugänge, Lernwege oder Unterstützungsangebote mitdenken (z. B. in Zyklen- oder Fachteams).
Kollegiale Hospitationen durchführen
Unterricht gegenseitig besuchen, Beobachtungen austauschen und gemeinsam über Lernprozesse reflektieren.
Kurze Team-Syncs und Retrospektiven nach Erprobungsphasen einführen
Gemeinsam auswerten, was gut funktioniert hat, welche Herausforderungen entstanden sind und welche nächsten Schritte sinnvoll erscheinen.
Gemeinsame Planungs- und Entwicklungstage nutzen
Zeitfenster schaffen, in denen Teams gemeinsam Unterricht planen, Materialien entwickeln, Erfahrungen austauschen und nächste Entwicklungsschritte abstimmen können. Solche gemeinsamen Arbeitsphasen fördern ein gemeinsames Verständnis von adaptivem Lernen und stärken die Zusammenarbeit im Team.
Entwicklungsboard oder Projekt-Canvas nutzen
Entwicklungsschritte, Ideen, Aufgaben und Erfahrungen im Team sichtbar machen und gemeinsam weiterentwickeln.
Materialien und Erfahrungen teilen
Damit adaptives Lernen nicht von Einzelpersonen abhängig bleibt, braucht es gutes Wissensmanagement. Erfahrungen, Materialien, Erkenntnisse und Vereinbarungen sollen sichtbar, auffindbar und für andere nutzbar sein.
Wissensmanagement bedeutet dabei mehr als das Ablegen von Dateien. Entscheidend ist, Wissen im Team lebendig zu halten:
- Was wurde ausprobiert?
- Was hat sich bewährt?
- Welche Erkenntnisse wurden gewonnen?
- Welche Materialien oder Ideen können weitergegeben und gemeinsam weiterentwickelt werden?
Die folgenden Beispiele zeigen unterschiedliche Möglichkeiten, wie Wissen, Materialien, Erfahrungen und Entwicklungsschritte im Team sichtbar gemacht, geteilt und gemeinsam weiterentwickelt werden können:
Digitale Plattform oder Teamablage
Gemeinsame Ablageorte schaffen Übersicht und erleichtern den Zugriff auf Materialien, Vereinbarungen und Erfahrungen.
Miro-Board oder Entwicklungs-Board
Ideen, Entwicklungsschritte, offene Fragen oder nächste Vorhaben können gemeinsam visualisiert und laufend ergänzt werden.
Projekt-Canvas
Unterstützt Teams dabei, Ziele, Rollen, Entwicklungsschritte und Erkenntnisse strukturiert festzuhalten.
Interne Mini-Stories
Kurze Praxisbeispiele aus dem Schulalltag machen konkrete Erfahrungen und gelingende Umsetzungen sichtbar.
Austauschgefässe zur Aktualisierung
Regelmässige Teamgefässe unterstützen dabei, Erfahrungen auszutauschen, Materialien aktuell zu halten und nächste Schritte gemeinsam zu planen.
Best Cases aus den Modellschulen Wittenbach und Uznach
Die Modellschulen Wittenbach (Zyklus 1 und 2) und Uznach (Zyklus 1 bis 3) machen ihre Erfahrungen, Materialien und Entwicklungsergebnisse aus drei Jahren Arbeit zum adaptiven Lernen für alle zugänglich. In den folgenden interaktiven Geniallys finden Lehrpersonen, Schulleitungen und PICTS konkrete Praxisbeispiele, erprobte Ansätze und wertvolle Erkenntnisse für die eigene Schulentwicklung:
Digitale Inhalte können vieles vermitteln – den direkten Austausch ersetzen sie jedoch nicht vollständig. Deshalb sind interessierte Schulen eingeladen, vor Ort Einblick in die Arbeit der Modellschulen zu nehmen. Schulbesuche ermöglichen Gespräche mit Beteiligten, konkrete Einblicke in die Praxis und den Austausch über Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren.
Haltung & Rollen
Adaptives Lernen verändert Rollen und Verantwortlichkeiten im Unterricht. Lehrpersonen sind nicht nur Wissensvermittler:innen, sondern zunehmend Lernbegleiter:innen, Beobachter:innen, Coaches und Lernarchitekt:innen. Gleichzeitig übernehmen Lernende mehr Verantwortung für ihre Lernprozesse und werden stärker zu Mitgestaltenden des Lernens.
Diese Rollenveränderung braucht gemeinsame Klärung und Reflexion. Hilfreich ist es, im Team darüber ins Gespräch zu kommen, was diese Rollen im eigenen Schulalltag konkret bedeuten und welche Erwartungen damit verbunden sind. So entstehen Orientierung und Sicherheit – sowohl für Lehrpersonen als auch für Lernende.
Die folgenden Rollenbeschreibungen und Praxisimpulse können Teams dabei unterstützen, über veränderte Rollenbilder im adaptiven Lernen ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Orientierung zu entwickeln:
- Lehrperson als Lernbegleiter:in: Lernprozesse begleiten, Orientierung geben und individuelle Lernwege unterstützen.
- Lehrperson als Beobachter:in und Diagnostiker:in; Lernstände wahrnehmen, Lernentwicklungen beobachten und nächste Schritte ableiten.
- Lehrperson als Coach: Lernende durch Fragen, Feedback und Reflexion beim Lernen unterstützen.
- Lehrperson als Lernarchitekt:in: Lernumgebungen, Aufgabenformate und Lernsettings bewusst gestalten.
- Lernende als Mitgestaltende: Lernwege mitgestalten, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.
- Lernende als reflektierende Lernende: Den eigenen Lernprozess wahrnehmen, einschätzen und weiterentwickeln.
- Team als professionelle Lerngemeinschaft: Erfahrungen austauschen, gemeinsam reflektieren und Unterricht weiterentwickeln.
- Schulleitung als Rahmengeberin und Ermöglicherin: Entwicklungsprozesse unterstützen und passende Rahmenbedingungen schaffen.
Lernkultur entwickeln
Adaptives Lernen ist eng mit der Lernkultur einer Schule verbunden. Es braucht eine Kultur, in der Fehler als Lernchancen verstanden werden, Lernende Verantwortung übernehmen dürfen und Lehrpersonen Entwicklung als gemeinsamen Prozess gestalten.
Eine adaptive Lernkultur zeigt sich nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Zusammenarbeit im Team. Wenn Lehrpersonen selbst ausprobieren, reflektieren und voneinander lernen, wird genau jene Kultur gelebt, die auch bei den Lernenden gefördert werden soll.
Zentrale Elemente einer adaptiven Lernkultur
- Vertrauen und Offenheit
- Fehler als Lernchance
- transparente Lernziele
- regelmässige Reflexion
- Feedback als Entwicklungshilfe
- Beteiligung der Lernenden
- Verantwortung für den eigenen Lernprozess
- gemeinsames Lernen im Team
Mögliche Entwicklungsschritte
- gemeinsame Werte und Haltungen klären
- Feedback-Kultur im Team stärken
- Reflexionsformate einführen
- Lernende stärker in die Gestaltung einbeziehen
- Erfolgserlebnisse sichtbar machen
- Erfahrungen aus Pilotklassen teilen